Stimmung: durchnässt aber ausgelassen; schwankend irgendwo zwischen „f*** wir sind zu alt für den Scheiss, Italien soll auch schön sein“ und „wow, toll erleben wir das alles, wir müssen länger bleiben“. Haben uns für eine Verlängerung auf Ometepe entschieden, die Insel hat einen eigenen Charm und Markus hat keine Lust, sich um Liegestühle zu streiten.
Vor sieben Jahren ist unser Trip nach Ometepe wegen Sturm und der zu gefährlichen Überfahrt ins Wasser gefallen. Diesmal hat alles geklappt, auch wenn die Überfahrt mit dem eigenen Auto etwas abenteuerlich ist. Die Fahrzeuge sind auf der Fähre so eng parkiert, dass ich kurzerhand Markus sämtliche Brownies gestrichen habe, sonst ist aussteigen nur noch ein Wunschgedanke.
Mystisch tauchen die beiden Vulkane Maderas und Conception im Dunst auf. Auch bei der Fahrt um die beiden Inselteile nach Merida zu unserer Unterkunft erhascht man immer wieder einen Blick auf einen der beiden Kegel.
Unsere Unterkunft ist halb im Jungle verborgen, bietet aber eine traumhafte Sicht auf den See, heute am ersten regenfreien Tag (sollte auch der letzte bleiben, grrr…) sogar inklusive Sonnenuntergang. Die Strasse zur Unterkunft ist kriminell und liegt so am Ende der Welt, dass wir zum Dinner nicht nochmals losfahren.
Hm, aber wie war das nochmals mit den guten Strassen auf Ometepe? Egal, kaum losgefahren sichten wir früh am Morgen Brüllaffen!
Cascada de San Ramón, der Hauptgrund, wieso wir hier hinten wohnen. Markus zahlt den Eintritt und wird informiert, dass wir mit unserem Monsterli (habe unseren Pickup so getauft) zwei¹ Kilometer weiter bis zum Parkplatz fahren dürfen, alle anderem müssen spazieren. Okee, die hätten besser gefragt, ob wir das Teil auch fahren können anstatt ob wir eins haben, denn als Strasse kann man DAS echt nicht mehr bezeichnen und wir sind den Hikern den schattigen Spaziergang fast schon etwas neidisch, aber nur fast.
Sodeli, parkiert, 15 Min bis zum Wasserfall, gem. Markus‘ Information. Eine Stunde, drei Liter Schweiss und fünf Flussdurchquerungrn später erhaschen wir einen ersten Blick auf den Wasserfall. Warte nur, Markus schicke ich nochmals zum Spanischunterricht, 15 Minuten!!! Zwischendurch wird der Weg so steil, dass wir beinahe umkehren, rauf ist eins, aber wieder runter? Keine Ahnung, wie ich das schaffen soll, bin doch keine Bergziege.
Aber dann, Regen sei Dank, der Wasserfall stürzt eindrückliche 120 Meter über moosbewachsene Felsen hinunter. Die Plackerei hat sich gelohnt.
Regenfall verwandelt unseren Rückweg in eine Rutschpartie und den Weg in einen Bach… Dafür sind unsere verschwitzten Shirts gleich wieder gewaschen, sehr praktisch.
Playa Mango scheint der Hotspot für einen Sundowner zu sein. Die Bumbum Musik lässt zu wünschen übrig, dafür begeistert der Blick auf den Conception und die Füsse ins Wasser hängen zu lassen ist auch eine Wohltat.
Nix Tour, wir haben unseren eigenen Guide für eine Kayaktour auf dem Rio Istián. Einmal kurz über den See Richtung Conception und dann die Flussmündung hoch und in die kleinen Seitenarme.
Weils mal wieder regnet sind sowohl der Schmetterlingsgarten wie auch die grüne Lagune Charco Verde eher enttäuschen, das Highlight auf den schlammigen Wegen waren einige fischende Jungs, die uns stolz ihre Ausbeute im Rucksack zeigen (tolles Düftchrn für die folgenden Transporte), etwas Spanisch wirkt in diesem Land tatsächlich wahre Wunder.
Auf dem Rückweg und der Suche nach einem Restaurant fürs Abendessen, passieren wir eine Polizeikontrolle und eine Baustelle. Hä, Moment, Baustelle? Da war doch bisher keine Baustelle… Vale, haben uns verfahren, easy, kennen wir ja. Neu ist nur, dass sich vor uns plötzlich eine Gruppe Menschen mit Megaphon versammelt. Demonstrationen sollte man aus Sicherheitsgründen meiden, gerade nachts, toll. Aber durchs Megaphon erschallen keine Parolen sondern Infos zu einem Kulturfestival mit anschliessender Musik, die Leute beginnen in ihren farbenfrohen Kleidern zu tanzen. Wir parkieren unser Monsterli und folgen der tanzenden Parade zu Fuss, wunderschön und absolut einheimisch.
Iiiih wäh nass, Markus erwacht mit nassen Füssen, es hat die ganze Nacht durchgeregnet und unser Zimmer ist nicht dicht. Wasserlachen am Boden, nasses Bett und von der Decke tropft es nicht, es rinnt, selbiges unter der Tür hindurch. So schnell hatten wir glaubs auch noch nie gepackt… Wir sind nur froh, haben wir uns für unsere Verlängerung auf der Insel in ein anderes Hostel einquartiert.
Auf dem Weg nach Moyogalpa nehmen wir Ojo de Agua, eigentlich ein Naturpool, allerdings stark verbaut und nichts besonders schönes, aber an einem heissen, schweissigen Tag bestimmt eine tolle Abkühlung,
Immer wieder spannend, die verschiedenen Verkehrsteilnehmer
und den Punta Jesus Maria mit, eine Sandbank von der aus man beide Vulkane sieht. Leider macht uns der viele Regen einen Strich durch die Rechnung. Wegen des hohen Wasserpegels ist die Sandbank überflutet und die Vulkane in den Wolken noch nicht mal zu erahnen.
Das hübsche, tagsüber quirlige Städtchen Moyogalpa verkommt abens zu einer wahren Geisterstadt.
Auch unser gebuchtes Hostal Casa di Gio befindet sich in einer eher düsteren Seitengasse mit gammligen, herumlungernden Gestalten. Uns ist nicht mal bei Tageslicht wohl, also hören wir auf unser Bauchgefühl, fahren weiter und quartieren uns im wunderschönen Hostal Eden ein.
Genug Regen, die Aktivitäten auf Ometepe brauchen Sonnenschein und wir freuen uns auf die Universitätsstadt Leon.

